Erziehung

Egal welcher sozialen Schicht Eltern angehören, es ist nicht leicht ein Kind zu erziehen. Man kann viel richtig machen, aber auch so viel falsch. Ich finde, es grenzt an Wahnsinn, dass es bisher noch keine Schule für angehende Eltern gibt, denn es gibt viel zu wissen. In den ersten zwölf Lebensjahren werden oft Entscheidungen getroffen, die das Leben des Kindes und zukünftigen Erwachsenen für immer begleiten werden. Das Kind ist den Eltern in dieser Zeit komplett ausgeliefert, abhängig und angewiesen auf deren Liebe und Zuwendung.

Wir sind oft schockiert wenn wir in den Nachrichten Horrorgeschichten hören, in denen Kinder über Jahre hinweg eingesperrt wurden, oder ähnliches. Uns sollte allerdings klar sein, dass diese Art des Missbrauchs nur die Spitze des Eisbergs ist. Es geht viel subtiler, unscheinbarer und gleichsam bedrohlicher in manchen Familien zu – oft nicht einmal absichtlich!

Wieso ist das so? Sind diese Eltern einfach böse? Das kann man so nicht sagen. Das Problem ist, dass die Eltern der Eltern bereits eine Rolle spielen. Und eventuell auch deren Eltern. Es ist eine generationsübergreifende Situation, die nur von der aktuellen, frischen Elterngeneration angegangen werden kann. Nur wenn diese das Kind in sich selbst anerkennen und bereit sind an sich zu arbeiten, kann garantiert werden, dass sie fähig sind selbstlos ein Kind großzuziehen.

Eigene Glaubenssätze, zum Beispiel welche Ausbildung man zu machen hat, wie man auszusehen hat, welcher Religion man anzugehören hat: vielen Eltern ist nicht bewusst, wie schädlich der Druck ist, den sie auf junge Wesen und Seelen ausüben.

Oftmals versuchen die Fürsorgeberechtigten die eigenen Unzulänglichkeiten aus der Vergangenheit durch ihre Kinder auszugleichen, doch dies ist ein Trugschluss, der zu Enttäuschungen auf beiden Seiten führt.

Kinder sollten die Freiheit haben ihr eigenes Leben zu führen, deren Erzeuger sind lediglich dazu da als Stützräder oder helfende Hände zu fungieren.

Solange ein Kind nicht sich oder andere in Gefahr begibt, darf ein Erwachsener nicht eingreifen in den jungen Willen. Natürlich darf eine Bezugsperson beraten und seine Meinung preisgeben, aber daran sollte niemals die Erwartungshaltung hängen, dass diese zu erfüllen sind um der Zuneigung würdig zu sein. Die Drohung oder Umsetzung von Liebesentzug ist eine Strafe, die für ein Kind unerträglich schmerzhaft und traumatisierend ist. Als Waffe gegen eine Kinderseele, gibt es wohl nichts zerstörerisches. Wo sollen sie denn hingehen, wenn ihre Eltern sie verachten? Die Lösung ist für das Kind einfach. Brav sein. Sich selbst in sich begraben. Dadurch wird ein Mensch mit riesiger Sollbruchstelle geschaffen, der vermutlich irgendwann aufbricht oder sein Leben lang eine Person spielt, die er oder sie nicht ist.

Man sucht sich seine Eltern nicht aus, aber hätte man nicht ein Recht darauf, dass diese zumindest theoretisch wissen wie man mit seinen Schutzbefohlenen umgeht?

Die Schule allein kann niemals das ersetzen, was Eltern einem Kind an Erziehung schuldig sind. Deswegen bin ich dafür Eltern für ihre Kinder zu schulen. Für einen besseren Umgang und eine faire Kindheit, auf die jeder Mensch verdient hat eines Tages zurückzublicken.

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